Nutri-Score Titelbild: Label für Verbraucher, aber

Nutri-Score: Nützliches Label oder irreführende Empfehlung? (2021)

1. November 2021 Categories: Abnehm- und Ernährungsmythen, Ernährung, Podcast, Vitamine

Seit Herbst 2020 hat es der Nutri-Score auch hier nach Deutschland auf viele verpackte Lebensmittel geschafft. Er soll uns Verbrauchern einen Überblick über die Nährwertqualität verarbeiteter Produkte geben. Jedoch wird der Nutzen des Labels kontrovers diskutiert. Daher ist es wichtig, dass du weißt, wie sich der Nutri-Score berechnet und wie du ihn optimal interpretieren kannst.

In diesem Artikel erfährst du …

  • was die Labels A bis E bedeuten.
  • warum und wie der Nutri-Score eingeführt wurde.
  • wie der Algorithmus zur Berechnung des Nutri-Scores funktioniert.
  • auf welche Weise du den Nutri-Score für dich optimal nutzen kannst.
  • welche Vorteile das Label für uns Verbraucher hat.
  • warum und wofür der Nutri-Score so viel kritisiert wird.
  • warum und wo es zu irreführenden Einordnungen von Lebensmitteln kommt.

Diesen Artikel inkl. weiterer wertvoller Tipps kannst du auch als Podcast-Episode hören.

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Der Nutri-Score ist ein erweitertes Nährwertkennzeichnungs-Modell [NWK-Modell]. Das Label wurde im Herbst 2020 in Deutschland vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft [BMEL] eingeführt. Die Intention dahinter ist es, uns Verbrauchern eine Orientierung bei der Lebensmittelauswahl zu geben, indem es den Vergleich verschiedener Produkte innerhalb einer Produktgruppe erleichtert.

Eine Ampel, die dem Verbraucher sofort auffällt!

Der Nutri-Score klassifiziert Produkte aus ernährungsphysiologischer Sicht auf einer 5-stufigen Farbskala. Diese reicht von A (bzw. dunkelgrün) bis E (bzw. rot). Diese Gestaltung ist an das Ampelsystem angelehnt. Demzufolge sind die Produkte absteigend nach ihrem Gesundheitswert von A nach E angeordnet.

Bewertung

Bedeutung

A

Beste Bewertung: Lebensmittel trägt zu einer gesunden Ernährung bei

B

Nahrungsmittel sind zum regelmäßigen Verzehr geeignet

C

Nahrungsmittel setzt sich eher unausgewogen zusammen

D

Produkt setzt sich unausgewogen zusammen

E

Warnung: Lebensmittel ist nachteilig für eine gesunde Ernährung

Der Nutri-Score ist eine Gesamtbewertung eines Lebensmittels.

Diese ergibt sich aus einer Verrechnung von gesundheitsförderlichen und -schädlichen Nährstoffen in den Produkten. Mehr zur Berechnung erfährst du im 3. Abschnitt des Artikels.

Auf diesen Produkten findest du den Nutri-Score:

Der Fokus des Labels liegt auf verarbeiteten und vorverpackten Produkten. Diese sollen durch den Nutri-Score in einer Gesamtschau bewertet werden. Das Logo mit der Klassifizierung ist auffällig auf der Vorderseite der Produkte angebracht [“Front of Package-Label”] und somit leicht für den Konsumenten zu erkennen. Zur Zeit ist die Anbringung für Lebensmittelhersteller freiwillig, also noch nicht verpflichtend.

Warum braucht es ein weiteres Label-Modell in unseren Supermärkten?

Viele Deutsche sind zu dick!

Ein enormes Problem unserer Gesellschaft ist das Übergewicht. Nach einem DGE-Bericht aus 2017 sind 59% der Männer und 37% der Frauen in Deutschland übergewichtig. Tendenz steigend. Das ist auch ein Resultat aus einer kalorienreichen und einseitigen Ernährung mit einem zu hohen Zucker-, Salz- und Fettkonsum. Des Weiteren sorgt Übergewicht für ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Daraus resultieren Krankheiten, wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfälle steigt.

Ernährung Übergewicht nach Geschlecht
Canva.com (erstellt von Rico Lange)

Den Verbraucher an die Hand nehmen!

Das Ziel der Politik war es demzufolge eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit frischen Lebensmitteln für Verbraucher zu erleichtern. Dabei soll vor allem das Problem der Überforderung beim Einkauf gelöst werden. Durch zunehmende Hektik im Alltag informieren sich nur wenige Bürger detailliert über ihre eingekauften Produkte. Somit können sie auch nicht auf die Schnelle einordnen, welche Produkte wirklich gesund sind.

Entwicklung: So kam der Nutri-Score nach Deutschland

Der Nutri-Score stammt aus Frankreich. Dort wurde er von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt und bereits 2017 eingeführt. Dabei basiert der zugrundeliegende Algorithmus auf dem Nährprofilsystem der britischen Food Standard Agency. Dieses wurde an der Universität Oxford entworfen. In Folge einer groß angelegten Verbraucherbefragung wurde der Nutri-Score dann im Herbst 2020 in Deutschland eingeführt. Für die Einführung und Vermarktung des Labels machte sich vor allem die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner stark.

Bei der Vorstellung und zur Promotion des Nutri-Scores nutzte das BMEL häufig den Slogan:

“Einfach besser essen”

Wissenschaftlich fundiert und Validität gegeben!

Das Max Rabner-Institut [MRI] wurde vom BMEL beauftragt den Nutri-Score als NWK wissenschaftlich zu prüfen. Das Ergebnis war, dass der Algorithmus zur Berechnung, die Differenzierung der Produktgruppen, die Punktevergaben und die verwendeten Referenzwerte wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar sind.

Rechtliche Regulierungen

Wie Lebensmittelunternehmer den Nutri-Score verwenden:

Der Nutri-Score soll die Pflichtangaben, wie die Nährwerttabelle, ergänzen. Die Einführung ist zurzeit noch nicht verpflichtend. Daher können Unternehmen auf freiwilliger Basis entscheiden, ob sie ihre Produkte labeln oder nicht. Für die Berechnung des Wertes ist keine übergeordnete Instanz zuständig, sondern die Unternehmen selbst sind hierfür verantwortlich. Um das Logo verwenden zu dürfen, müssen sich die Firmen lediglich auf einer Website der Santé publique France registrieren.

Commitment und Fristen:

Jedoch verpflichtet sich ein Lebensmittelhersteller durch die Verwendung des Logos auf einem seiner Produkte dazu, es auf allen Produkten der registrierten Marke zu verwenden. Für die Kennzeichnung hat das Unternehmen dabei eine Frist von 24 Monaten nach der Registrierung des ersten Produktes. Das führt oftmals dazu, dass es zuerst nur die vorteilhaft bewerteten Produkte in unsere Supermärkte schaffen und schlechter eingestufte Produkte später folgen.

So funktioniert die Berechnung des Nutri-Scores

Die 5-stufige Farbskala von A bis E zeigt uns die Nährwertqualität eines Produktes in der Gesamtbetrachtung an. Doch wie kommt es zu der genauen Klassifizierung?

Grundlagen zur Berechnung und zum Mechanismus

Der Nutri-Score bezieht sich immer auf 100 g bzw. ml eines Lebensmittels, um mögliche Probleme mit unterschiedlichen Portionsmengen zu vermeiden. Die Gehalte an günstigen und ungünstigen Nährstoffen fließen dann in eine Formel ein und es ergibt sich eine Gesamtpunktzahl für ein Produkt (der Nutri-Score). Je geringer diese ist, desto gesünder ist das Lebensmittel.

So ergibt sich der Nutri-Score:

Die Gesamtpunktzahl eines Produktes ist das Resultat einer Gegenüberstellung und Verrechnung der Gehalte an ernährungsphysiologisch günstigen und ungünstigen Nährstoffen in dem jeweiligen Produkt.

Verrechnung Nutri-Score Plus und Minus
Canva.com (erstellt von Rico Lange)

Ernährungsphysiologisch günstige Nährstoffe:

Die Gehalte an Protein, Ballaststoffen und die Anteile an Obst & Gemüse, an Nüssen, an Hülsenfrüchten und an ausgewählten Speiseölen wirken sich positiv auf die Bewertung eines Produktes aus. Die verschiedenen Anteile werden gemeinsam betrachtet und ergeben zusammen eine Bewertungskategorie. Ein Produkt kann für seine gesundheitsförderlichen Nährstoffe maximal 5 Positiv-Punkte erhalten. Somit können in Summe maximal 15 Positiv-Punkte erreicht werden (Proteine, Ballaststoffe, verschiedene Anteile).

Ernährungsphysiologisch ungünstige Nährstoffe:

Der Energiegehalt in Form von Kalorien, sowie die Gehalte an gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz bzw. Natrium wirken sich negativ auf das Labelling des Produktes aus. Dabei kann ein Produkt für seine gesundheitsschädlichen Nährstoffe maximal 10 Negativ-Punkte erhalten. Die ungesunden Gehalte werden folglich doppelt gewichtet. Somit können in Summe maximal 40 Negativ-Punkte auf ein Produkt entfallen.

Berechnungsformeln unterschiedlicher Produktkategorien:

Der Nutri-Score unterscheidet Produkte grundsätzlich in 4 Kategorien. Dazu gehören neben den festen Lebensmitteln noch Getränke, Fette (z.B. Butter) und Käse.

Diese Unterscheidung ist extrem wichtig, da die Verrechnung von Positiv-& Negativ-Punkten je nach Produktkategorie auf einer anderen Formel basiert.

Nutri-Score: Berechnung der Gesamtpunktzahl in Abhängigkeit der Produktgruppe
Canva.com (erstellt von Rico Lange)

Die resultierende Gesamtpunktzahl wird dann einem Label von A bis E zugeordnet.

Dabei wird nicht mehr zwischen 4 Produktkategorien, sondern lediglich zwischen Essen und Trinken unterschieden:

Nutri-Score Plus- und Minuspunkte
Getty Images - https://www.canva.com/media/MAEY62yi1ZM (bearbeitet durch Rico Lange)

Details im Algorithmus und Ausnahmen

Basis der Punktevergabe

Die Grundlage für die Vergabe der Punkte bezieht sich auf die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr aus Großbritannien von 2004 (Dietary Reference Values [DRV]).
Dabei wird ein Punkt erreicht, wenn 3,75 % des DRV des jeweiligen bewerteten Gehaltes erreicht werden. Folglich entsprechen zwei Punkte 7,5 % des DRV und 3 Punkte 11,25 % des DRV. Schließlich setzt sich die Punktevergabe linear in 3,75 % Schritten fort.

Ausnahme, um eine Aufwertung von Produkten zu verhindern:

Der Algorithmus soll berücksichtigen, dass ein an sich ungesundes Lebensmittel nicht durch die einfache Zugabe von Protein (z.B. in Form von Pulver) extrem aufgewertet werden kann. Daher gibt es den Mechanismus, dass der positive Wert von Proteinen nicht in die Berechnung einfließt, wenn Folgendes gilt:
Das Produkt hat in Summe mehr als 11 Negativ-Punkte aus den jeweiligen Parametern erhalten und besteht zudem zu weniger als 80% aus Obst & Gemüse oder aus Nüssen.

Nährwerte und Punkte: Ein tabellarischer Überblick

Für Essen gilt:

Negativ-Punkte

(je 100 gramm)

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Energie (kcal)

<80

>80

>160

>240

>320

>400

>480

>560

>640

>720

>800

Gesamtzucker 

<4,5

>4,5

>9

>13,5

>18

>22,5

>27

>31,5

>36

>40,5

>45

ges. Fettsäuren

<1

>1

>2

>3

>4

>5

>6

>7

>8

>9

>10

Natrium (mg)

<90

>90

>180

>270

>360

>450

>540

>630

>720

>810

>900


Positiv-Punkte

(je 100 gramm)

0

1

2

3

4

5

Protein

<1,6

>1,6

>3,2

>4,8

>6,4

>8,0

Ballaststoffe

<0,9

>0,9

>1,9

>2,8

>3,7

>4,7

Anteile an Obst & Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten

<40 %

>40%

>60%

-

-

>80%

Für Getränke gilt:

Alle Punkte

(je 100 milliliter)

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Energie (kcal)

<0

<7

<14

<22

<29

<36

<43

<50

<57

<65

>65

Gesamtzucker 

<0

<1,5

<3

<4,5

<6

<7,5

<9

<10,5

<12

<13,5

>13,5

Anteil an

Obst & Gemüse

<40

-

>40

-

>60

-

-

-

-

-

>80

Die Grenzwerte für die zu erreichenden Punkte in den Kategorien unterscheiden sich lediglich nach Essen und Trinken. Nur bei der Berechnungsformel, die zum Nutri-Score selbst führt, differenziert man nach den 4 Kategorien.

Beispiel: Berechnung des Nutri-Scores anhand eines Käses

Zur besseren Nachvollziehbarkeit wird im Folgenden exemplarisch einmal der französische Käse Comté mit dem Nutri-Score bewertet.

1. Zunächst werden die Positiv-, wie auch die Negativ-Punkte ermittelt.

Durchschnittliche

Nährwerte

Pro 100 gramm

Energie

1740kj / 417 kcal

Fett

34,6 g

davon gesättigte Fettsäuren

22,5 g

Kohlenhydrate

0,1 g

davon Zucker 

0 g

Protein

26,7 g

Salz

0,8 g

Ballaststoffe

< 0,5 g

Bis auf die Anteile an Obst & Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten und Ölen sind alle Punkte direkt aus der Nährwerttabelle ablesbar. Der fehlende Anteil ist hier mit 0 Punkten zu bewerten, da es sich um einen Käse handelt.

In diesem Beispiel kommen wir auf insgesamt 18 Negativ- und auf 5 Positiv-Punkte.

2. Anschließend geht es darum die Produktkategorie festzustellen, um die richtige Berechnungsformel zu erhalten. Hier handelt es sich um eine Käsesorte. Die Produktkategorie Käse nimmt eine Sonderrolle ein, da dort die Ausnahmeregel zur Aufwertung von Produkten nicht gilt.

3. Zuletzt muss der Nutri-Score bestimmt und eingeordnet werden.

Die Gesamtpunktzahl ermittelt sich hier aus der einfachen Differenz der Negativ-Punkte abzgl. der Positiv-Punkte (siehe Baumdiagramm zu den Produktkategorien). In diesem Fall erreicht der Comté folglich den Wert 13. Damit wird er der Nutri-Score Kategorie D, also der zweitniedrigsten Nährstoffqualität, zugeordnet. Das Label sagt aus, dass sich der Comté unausgewogen zusammensetzt.

Den Nutri-Score richtig interpretieren: Simple Tipps für Verbraucher

Kein direkter Indikator für den Gesundheitswert!

Im Gegensatz zu anderen Ernährungsempfehlungen, wie z.B. der Ernährungspyramide der DGE, ist der Nutri-Score lediglich eine erweiterte NWK. Er selbst gibt nämlich grundsätzlich keine Orientierung für den Verbraucher über die Ausgewogenheit der gesamten Ernährung. Zudem ist er auch kein konkreter Indikator für den Gesundheitswert einzelner Lebensmittel.

Wenn du ausschließlich Lebensmittel der Kategorie A konsumierst bedeutet dies nicht, dass du dich gesund und ausgewogen ernährst.

Dazu gehört vielmehr der Konsum unterschiedliche Lebensmittel im richtigen Verhältnis.

Nutze den Nutri-Score nur für vergleichbare Produkte einer Produktgruppe!

Du solltest das Ampelsystem kombiniert mit anderen Ernährungskonzepten nutzen. Für die Wahl des Lebensmittels solltest du dich hier eher an anderen Empfehlungen orientieren. Erst dann, wenn es um die Wahl konkreter Produkte aus einer Menge vergleichbarer Produkte geht, empfehle ich dir den Nutri-Score.

Achtung: Achte immer darauf, dass es sich um direkte Produktalternativen handelt.

Du solltest also niemals eine Pizza mit einem Schokoriegel mit Hilfe des Nutri-Scores vergleichen, sondern eher zwei Riegel von unterschiedlichen Herstellern.

Der Nutri-Score ist auf verarbeitete Produkte ausgelegt!

Die gesündesten Lebensmittel, von denen du ganz viele essen solltest, sind unverarbeitet und tragen selbst gar keinen Nutri-Score. Dazu zählen z.B. Obst & Gemüse, Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchte. Der Nutri-Score hilft also nur zur Orientierung bei verarbeiteten Produkten, die du aber dennoch nicht zu oft essen solltest.

Tipp: Nutze dein Handy, um dir den Nutri-Score anzeigen zu lassen.

Dadurch erhälst du Daten über Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe und Nährwertangaben. Schau einfach mal im Appstore bzw. im Google Play Store deines Smartphones nach.

Kombiniere ihn mit den Pflichtangaben!

Mein persönlicher Tipp an dich ist, dass du den Nutri-Score als Ergänzung betrachtest. Im Gegensatz zum Nutri-Score haben die Zutatenliste und die Nährwerttabelle den Vorteil, dass sie auf jedem Produkt zu finden sind.

Außerdem bieten diese beiden Angaben deutlich genauere Informationen über den Gesundheitswert von Produkten.

Dabei gilt für die Zutatenliste die Faustformel: Je weniger Zutaten enthalten sind, desto gesünder ist das Produkt.

Mit der Nährwerttabelle kannst du genau einsehen, wie die Makronährstoffe verteilt sind, wie viel Zucker und welche Fette im Produkt enthalten sind.

Vorteile des Nutri-Scores: Darum ist das Label gut

Hör’ dir gerne zu diesem Artikel den zweiten Teil der Podcast-Folge zum Thema Nutri Score an:

Hier kannst du den Podcast kostenlos abonnieren.

Leicht verständlich für den Laien!

Durch seine prominente Platzierung auf der Vorderseite der Verpackung fällt das Logo dem Verbraucher sofort auf. Außerdem ist das Logo intuitiv und leicht verständlich aufgebaut und ermöglicht einen einfachen Produktvergleich. Damit gibt es gerade Menschen, die sich nicht detaillierter mit dem Thema “gesunde Ernährung” beschäftigen einen Gesamtüberblick über die Nährwertqualität einzelner Produkte.

Hersteller zu gesünderen Produkten motivieren!

Zudem kann der Nutri-Score dazu beitragen, dass Lebensmittelhersteller die Rezepturen ihrer Produkte überdenken. Das könnte in der Konsequenz dazu führen, dass die verarbeiteten Produkte ernährungsphysiologisch gesünder zusammengesetzt werden.

Das Label sorgt für gesündere Entscheidungen der Verbraucher!

Eine Studie zeigte, dass der Nutri-Score tendenziell die Wahl gesünderer Produkte beim Verbraucher bestärkt. Daher kann das Logo dabei helfen Menschen für das Thema Ernährung zu sensibilisieren. Das kann wiederum langfristig positive Effekte auf unsere Gesellschaft haben. Beispielsweise kann daraus eine Abnahme der Übergewichtsrate, oder eine verbesserte Vorbeugung von Krankheiten resultieren.

In Frankreich führt der Nutri-Score laut Schätzungen zu einer Verringerung der Sterblichkeit aufgrund ernährungsbedingter chronischer Krankheiten um etwa 3,4 Prozent.

Expertenmeinungen zum Nutri-Score:

Jakob Linseisen: Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE):

“Eine rasch ersichtliche, leicht verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln hilft bei der Orientierung und der Auswahl von gesundheitsförderlichen Lebensmitteln.”

Kritik – Diese Schwächen hat das NWK-Modell

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Kritikpunkte zum Nutri-Score Modell. Verschiedene Aspekte werden im Folgenden in 3 Unterkapiteln differenziert erläutert:

Kritik am Nutri-Score
Canva.com (erstellt von Rico Lange)

Methodische Schwächen und Unvollständigkeit der Berechnung

Das zugrundeliegende Prinzip des Nutri-Scores ist die Ernährungspyramide. Sie soll eine ausgewogene Ernährung darstellen. Allerdings wird diese Pyramide kontrovers diskutiert und vor allem die Aktualität der Empfehlungen wird eher kritisch beäugt.

Missverständliche Interpretationen durch Unwissende!

Außerdem gibt der Nutri-Score keine allgemeingültige Aussage, ob ein Produkt als solches gesund ist. Hierbei kann es leicht zu Fehlinterpretationen des Wertes kommen, wenn der Aspekt des Vergleichs innerhalb einer Produktkategorie vom Verbraucher nicht berücksichtigt wird.

Zum Beispiel wird der vermeintlich gesunde Stremellachs mit einem D etikettiert, wohingegen so manche Pizza mit dem Label B klassifiziert wird.

Zudem ist der Algorithmus hinter der Berechnung für den Laien schwer nachzuvollziehen. Daher wirken manche Klassifizierungen etwas willkürlich.

Der Nutri-Score bestraft gesunde unverarbeitete Produkte!

Hinzu kommt der Punkt, dass Kalorien und Zucker per se nicht immer schlecht sind. Beispielsweise ist auch in gesundem Obst recht viel Zucker enthalten. Es werden also natürliche Produkte, die einen hohen Obstanteil haben, stärker vom Nutri-Score bestraft.

Unvollständige Abbildung wichtiger Nährstoffe:

Der Nutri-Score lässt wichtige Nährstoffe unberücksichtigt. Dazu gehören z.B. Vitamine, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren. Aus diesem Grund wird z.B. auch der fettige Lachs, trotz seiner unbestritten wichtigen und gesunden Nährstoffe, als eher ungesund eingestuft.

Außerdem werden Süß-, Farb- und Konservierungsstoffe, aber auch andere bedenkliche Zutaten, nicht berücksichtigt. Dadurch wird z.B. die Cola Light mit einem B etikettiert, wohingegen so mancher Fruchtsaft aufgrund des hohen Zuckeranteils nur ein C erhält.

Ein Produkt ist mehr als seine Zutaten:

Zudem sind für viele Verbraucher auch Prozesseigenschaften, wie die ökologische Nachhaltigkeit, die Regionalität oder die Haltungsform der Tiere von Bedeutung. Hierfür ist jedoch ein weiteres Label nötig, was wiederum den Verbraucher überfrachten könnte.

⇒ Take Home Message:

Es bedarf noch einigen Modifikationen in der Berechnung, um eine fairere Bewertung gewährleisten zu können.

Eine Hinzunahme einiger Nährwerte in die Berechnungsformel wäre sicherlich ein Ansatzpunkt.

Produkt-Tuning und Problem der Freiwilligkeit

Freiwilligkeit führt zu Intransparenz!

Zum aktuellen Stand ist der Nutri-Score ein Label auf freiwilliger Basis. Das führt dazu, dass vor allem die als gesund eingestuften Marken die NWK verwenden, um daraus Vorteile für die Vermarktung ihrer Produkte zu generieren. Dieser Aspekt verringert jedoch auch den Mehrwert für den Verbraucher. Wäre das Label hingegen verpflichtend, dann würde es eine bessere Vergleichbarkeit und somit einen größeren Nutzen bieten.

Hersteller nutzen Grenzwerte aus!

Eine weitere Schwäche des Nutri-Scores resultiert aus der Festlegung von Grenzwerten für das Erreichen von einzelnen Punkten. Dabei wird z.B. ein Zuckergehalt von 5 g genauso bewertet wie einer von 8,9 g / 100 g des Produktes. Das führt dazu, dass Rezepturen genau an diese Grenzwerte angepasst werden, was wiederum nicht die eigentliche Intention des Labels ist.

Ungesunde Produkte können aufgewertet werden!

Das Produkt-Tuning beschreibt, dass Produkte durch die Hinzugabe von z.B. Proteinen oder Ballaststoffen gezielt für die Klassifizierung beim Nutri-Score angepasst werden. Hierdurch kommt es dazu, dass hochkalorische und gezuckerte Lebensmittel ein A bekommen können, wenn nur genug Gehalte an positiven Nährstoffen ergänzt werden (Hintergrund: Waageprinzip). Das führt jedoch oft zu einem höheren Verarbeitungsgrad und zunehmenden Industrieprodukten, was aber in die Richtung ungesund geht.

Kontrollprobleme und bewusster Einsatz für Marketingzwecke

Unternehmen labeln ihre Produkte selbst!

Zum aktuellen Stand (Oktober 2021) gibt es keine Kontrollinstanz, die die Berechnung des Nutri-Scores explizit überprüft. Dadurch kommt es teilweise zu falschen Zuordnungen einzelner Produkte. Beispielsweise war der Pudding “Dany Sahne Schoko Mousse” von Danone lange Zeit mit einem C eingestuft, obwohl er richtigerweise ein D bekommen müsste. Dieser Fehler wurde lediglich durch einen Zufall von der deutschen Verbraucherzentrale entdeckt.

Weiteres Beispiel für fehlende Expertise bei der Nährstoffkennzeichnung:

Ein Haferdrink von Kaufland wurde mit der Berechnungsformel für Getränke bewertet und bekam hierbei ein D. Jedoch wird Milch beim Nutri-Score wie ein festes Lebensmittel betrachtet und bei einem Haferdrink handelt es sich um eine echte Produktalternative zur Kuhmilch. Folglich bekam der Haferdrink nach der richtigen Bewertung ein B.

Lobby-Verdacht am Bsp. Nestlé

Das Unternehmen Nestlé hat im Durchschnitt außergewöhnlich gute Nutri-Score-Werte auf seinen Produkten und man findet die Unternehmenswebsite bei einer Google-Suche nach dem Nutri-Score ebenso ganz vorne. Diese beiden Punkte wecken den Verdacht, dass gezielter Lobbyismus einen Einfluss auf die Einführung des Nutri-Scores gehabt haben könnte.

Vorteile für Großunternehmen wie Nestlé durch den Nutri-Score:

– Proaktives Vorantreiben des Nutri-Scores verbessert Marketing-Strategien & Image

– Kostenvorteile und leichtere Umsetzbarkeit aufgrund von Skalierungseffekten im Wettbewerb

– Rechtfertigung eines höheren Verkaufspreises bei guter Nutri-Score Bewertung

Kontroverse Einordnungen: 3 exemplarische Beispiele

Wie bereits erwähnt sind die Berechnungsformeln des Nutri-Scores zum Teil nicht immer intuitiv für den Verbraucher verständlich. Daraus ergeben sich irreführende Einordnungen, die den tatsächlichen Gesundheitswert eines Produktes falsch abbilden. Hier zeige ich dir einmal 3 Beispiele für (zumindest) sehr diskutable Einstufungen von Produkten:

Nutri: Kontroverse Einordnungen
Canva.com (erstellt durch Rico Lange)

1. Nesquik Kakaopulver

Das Kakaopulver von Nesquik hat einen Nutri-Score von B, obwohl es zu über 75% aus reinem Zucker besteht. Und so ein Produkt soll wirklich “zum regelmäßigen Verzehr geeignet sein”?
Hier trickst Nestlé bei der Einordnung. Sie berechnen den Nutri-Score auf Basis des fertigen Kakaogetränks unter Verwendung einer Milch mit 1,5% Fettanteil und mit nur 2 Löffeln des Pulvers. Diese Annahmen zur Zubereitung sind jedoch sehr optimistisch, da die meisten Konsumenten eher zur Milch mit 3,5% Fettanteil greifen und mehr als 2 Löffel des Pulvers verwenden.

Außerdem wird das Produkt als festes Lebensmittel eingestuft, da es eine Alternative zur Milch ist. Daher unterliegt es auch nicht den strengeren Grenzwerten der Gruppe der Getränke.

2. Lachs vs. Fischstäbchen
Auf den ersten Blick denkst du sicher, dass ein Lachs deutlich gesünder ist als verarbeitete Fischstäbchen mit vielen Inhaltsstoffen.

Diese Meinung suggeriert der Nutri-Score jedoch nicht. Ein Stremellachs hat z.B. ein D und Fischstäbchen mit einer Panade zum Teil ein B. Das liegt daran, dass die gesundheitlichen Mehrwerte durch Vitamine, Mineralien und vor allem die Omega-3-Fette beim Lachs nicht berücksichtigt werden. Stattdessen schadet der hohe Fettanteil sogar bei der Bewertung des Lachses.

3. Cola Light vs. Apfelsaft
Eine Cola Light ist voll von synthetischen Süß-& Farbstoffen und enthält null Nährwert.

Trotzdem wird sie vom Nutri-Score mit einem grünen B eingestuft, da diese gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe unberücksichtigt bleiben. Hingegen bekommt ein naturtrüber Bio Apfeldirektsaft nur ein gelbes C. Das liegt am hohen Zuckeranteil, der aber einen natürlichen Ursprung im Apfel selbst hat.

Take Home Message: 

Wie die Beispiele zeigen gibt es beim Nutri-Score noch Verbesserungsbedarf. Mit einzelnen Modifikationen, wie der Berücksichtigung von Zusatzstoffen, kann die NWK weiter optimiert werden und dem Verbraucher die wirklich gesündere Produktalternative aufzeigen.

Fazit

Zusammenfassend ist der Nutri-Score vor allem bei verpackten und verarbeiteten Produkten sinnvoll, um als Verbraucher einen Gesamtüberblick zu erhalten. Wenn du dich z.B. für eine Fertigpizza entschieden hast, dann wählst du durch das Logo vermutlich das geringe Übel.

Jedoch besteht zur Zeit ein zu großer Spielraum für Tricks und Produkt-Tuning für Lebensmittelhersteller. Außerdem sind einige Einordnungen noch unpassend und zu wenige Verbraucher wissen, wie der Nutri-Score genau zu interpretieren ist.

Allgemein hat das Labelling von Lebensmitteln einige Vorteile, jedoch sind noch einige Anpassungen nötig. Zum aktuellen Zeitpunkt solltest du dich als Verbraucher also noch nicht blind auf das Nutri-Score Logo verlassen.

Und ganz wichtig ist es noch einmal hervorzuheben, dass die gesündesten Lebensmittel unverarbeitet sind und daher gar keinen Nutri-Score tragen.

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